Wearables, also tragbare Technologien wie Fitness-Tracker oder Smartwatches, erlauben es uns, unsere Gesundheit, Fitness oder unseren Schlaf kontinuierlich zu überwachen. Sie unterstützen das Phänomen, das auch als Quantified Self oder Selftracking bekannt ist: die datenbasierte Selbstvermessung. Sie verfolgt das Ziel, das eigene Verhalten besser zu verstehen und zu optimieren.
In diesem Pincho wurde bewusst der provokative Titel «digital health» gewählt, da er sowohl die technischen Aspekte der Datensammlung als auch die Auswirkungen auf die eigene Gesundheit umfasst.
In diesem Pincho beleuchten wir die spannende Verbindung zwischen Technologie und Selbstvermessung und fragen, wie Wearables nicht nur unser individuelles Verhalten, sondern auch unsere Gesellschaft beeinflussen.
Perspektiven im Überblick

Gesellschaftlich-
kulturelle Perspektive
Auswirkung meiner Gesundheitsdaten auf meine Lebensweise und die Gesellschaft allgemein.

Anwendungs-
bezogene Perspektive
Bewusster Umgang mit datensammelnden Wearables und Einschätzung der datenbasierten Auswertungen.
WarmUp
Hast du heute schon die magische 10.000-Schritte-Marke geknackt?
Öffne die Gesundheitsapp auf deinem Smartphone (iOS: health, Android: Google fit) oder sieh auf deiner Fitnessuhr nach, wie viele Schritte du heute schon zurückgelegt hast. Falls es dir ein Anliegen ist, das Ziel von 10’000 Schritten jeden Tag zu erreichen, lies die nächsten Abschnitte am besten beim Gehen – nimm dein Smartphone mit und mach ein paar Schritte durch den Raum.

Technologische
Perspektive
Wearables wie Smartwatches erfassen hochsensible Gesundheitsdaten – von der Schrittzahl über die Herzfrequenz bis hin zu Schlafphasen. Kleinste Sensoren erfassen präzise Daten, und dank besserer Akkulaufzeiten können diese über lange Zeiträume aufgezeichnet werden. Zurückgelegte Schritte werden mithilfe eines Beschleunigungssensors gemessen und durch den GPS-Sensor unterstützt. Ein Beschleunigungssensor misst, wie sich die Smartwatch in alle drei Raumrichtungen bewegt. Ein charakteristisches Vor- und Zurückschwingen des Arms wird als Schritt erkannt und mit den GPS-Daten abgeglichen.

Wearables sind dank der umfangreichen Datensammlung in der Lage, Trends und Abweichungen in deinem Verhaltensmuster zu erkennen. So lässt sich leicht feststellen, ob du dich aktuell auf ein Sportereignis vorbereitest oder ob du seit einer Woche in den Ferien bist und entspannst. Mit der Zeit kennt dich dein Gerät sehr gut und kann dir dank der Auswertung deiner umfassenden Datensammlung massgeschneiderte Empfehlungen geben oder zukünftige mögliche Zustände oder Risiken wie Stress oder Schlafmangel voraussagen.
Neben Sensorik und Datenanalyse wirft die technologische Perspektive auch Fragen zum Datenschutz und zur Datensicherheit auf. Die Anzahl deiner zurückgelegten Schritte oder die Orte, an denen du dich zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgehalten hast, gehören zu besonders sensiblen Daten. Deshalb stellt die Speicherung der persönlichen Gesundheitsdaten ein hohes Risiko für Anbieter von Health Tech dar. Beim Vergleich mehrerer Anbieter liesse sich beispielsweise ermitteln, in welchem Land die Daten gespeichert werden und welchen Stellenwert der Datenschutz dort hat. Bei einem Gedankenexperiment könnte man fragen – „Was wäre, wenn deine Gesundheitsdaten durch ein Datenleck an die Öffentlichkeit gelangen würden?“
Gesellschaftlich-kulturelle Perspektive
Die umfassende Sammlung und Auswertung von Gesundheitsdaten, wie sie in der technologischen Perspektive oben beschrieben wurde, könnte einen Einfluss auf deinen Alltag haben. Vielleicht hast du im Warm-up festgestellt, dass du heute die 10’000 Schritte noch nicht erreicht hast. Wie fühlst du dich dabei? Die Anzahl gemessener zurückgelegter Schritte könnte sich darauf auswirken, ob du den Tag als erfolgreich wahrnimmst oder (noch) nicht. Nicht nur dein eigenes Empfinden spielt eine Rolle – auch externe Anreize wie Bonusprogramme von Krankenkassen motivieren dazu, die 10’000 Schritte zu erreichen, hierfür gibt es unterschiedliche Bonusprogramme von Krankenkassen. Es locken Barauszahlungen oder Rabatte auf die Versicherungsprämien.

Doch nicht nur Einzelpersonen sind betroffen, auch die Gesellschaft kann durch Wearables beeinflusst werden. Health Tech Firmen setzen mit der allumfassenden Datenauswertung setzen gewisse Massstäbe, wie ein gesunder Lebensstil auszusehen hat. Dieser Trend wird durch das Teilen sportlicher Erfolge in sozialen Netzwerken noch zusätzlich verstärkt. Wenn Fitnessdaten zum Statussymbol werden, verändert das unser Verständnis von Transparenz und Privatsphäre – und könnte die Akzeptanz der Datensammlung sowie das Teilen sensibler Informationen weiter normalisieren.
Anwendungsbezogene Perspektive
Die Technologie der Wearables wird sich laufend weiterentwickeln. Neue Technologien mit hochsensiblen Sensoren ermöglichen eine noch umfassendere Erfassung von Gesundheitsdaten. So verspricht beispielsweise die «Garmin-Smartwatch» deine Gesundheit zu verbessern – oder zu erhalten. Dabei umfasst die Gesundheitsüberwachung u.a. die Messungen der Herzfrequenz, der Sauerstoffsättigung, des Stresslevels oder der Schlafqualität. Es wird versprochen, dass die Analyse dieser riesigen Datenmengen dank verbesserter Algorithmen und künstlicher Intelligenz (KI) immer präziser wird.
In den Schulklassen sind immer mehr dieser Uhren sichtbar und eine Auseinandersetzung mit dem Thema «Digital Health» bietet über diese Geräte einen hohen Lebensweltbezug. Im Unterricht könnte eine Pro-Kontra-Diskussion dabei helfen, das komplexe Thema «digital health» zu beleuchten. Informationen zur Vorbereitung, Durchführung und Auswertung findest du unter dem Didaktik-Pincho Arenadiskussion.
Aber welche Uhr-Typen gibt es überhaupt und was unterscheidet sie voneinander? Hier ein Überblick über die derzeit (2025) bestehenden Varianten:
Merkmal | GPS-Uhren | Kommunikations-Uhren | Fitness-Tracker | Spiel-Uhren |
---|---|---|---|---|
Haupt-anwendung | Standort-verfolgung und Ortung | Telefonie und Messenging | Aktivitäts-tracking, Fitness-abenteuer | Spielen, Fotografie, Audio-aufnahme |
GPS-Ortung | ✅ | ✅ | ❌ | ❌ |
Telefonie/ Chat | Teilweise | ✅ | ❌ | ❌ |
Spiele/ Freizeitapps | ❌/Teilweise | Teilweise | ❌ | ✅ |
Lerninhalte | ❌ | ❌ | ❌ | ✅ |
Elternkontrolle über mobile App | ✅ | ✅ | ✅ | ❌/Teilweise |
Altersgruppe | 4–10 | 6–12 | 8–14 | 3–8 |
Beispiel | Accutime Kinder Smart Watch Minecraft | TCL Movetime Family Watch MT42X | Garmin Vivofit jr. 3 | VTech Kidizoom Smart Watch DX2 |
In den Bereichen Handhabung und Produktion und Präsentation der Anwendungskompetenzen im Lehrplan21 können diese Uhren auch unter Berücksichtigung des Digital Divide in den Unterricht integriert werden, um den Kindern zu zeigen, welche Optionen mit den Geräten möglich sind und wo auch Gefahren lauern oder datenschutzrechtliche Fragestellungen diskutiert werden müssten. Insbesondere die Uhren, welche das (nahezu unbemerkte) Fotografieren zulassen, können zu Cybermobbing-Situationen führen. Auch die Auswertung der Fitnessfunktionen bedarf verschiedener, spezifischer Anwendungskompetenzen.
Gesamtblick
Wearables bieten neue Möglichkeiten zur Gesundheitsüberwachung und Selbstoptimierung. Doch mit der zunehmenden Verknüpfung von Technologie und besonders sensiblen Gesundheitsdaten entstehen auch neue Herausforderungen. Ethische Fragen müssen sorgfältig abgewogen werden, um den Nutzen dieser Technologie verantwortungsvoll zu gestalten.
- Technologische Perspektive: Fortschrittliche Sensoren und KI ermöglichen eine immer präzisere Datenerfassung und -auswertung.
- Gesellschaftlich-kulturelle Perspektive: Vorgaben wie 10’000 Schritte pro Tag prägen unser Verständnis von Gesundheit. Das Teilen sportlicher Erfolge in sozialen Medien kann die Normalisierung der Datensammlung vorantreiben.
- Anwendungsorientierte Perspektive: Die Nutzung von Wearables eröffnet Chancen zur Selbstoptimierung und Gesundheitserhaltung, wirft jedoch ethische Fragen zur Datensicherheit auf.
Die gute Nachricht zum Schluss:
In der Sportmedizin gibt es keine einheitliche Meinung dazu, wie viele Schritte täglich für einen gesunden Lebensstil notwendig sind. Die 10’000-Schritte-Regel stammt ursprünglich aus einem japanischen Marketingkonzept der 1960er Jahre – nicht aus der Medizin (Zum Artikel).
BY Konsortium MIA21
Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).
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